
Die schottische Königin Maria Stuart hatte 1587 ihren Kopf verloren, weil eine scheinbar sichere Verschlüsselung der Nachrichten an ihre Mitverschwörer von den Engländern geknackt worden war und die Anklage wegen Konspiration dadurch vor Gericht bewiesen werden konnte. Das ist schon einige hundert Jahre her und die Technologien zur Ver- und Entschlüsselung von Informationen sind seitdem immer komplexer geworden. Spätestens seit dem Eindringen des Internets in den Alltag ist es auch für Privatmenschen zur Überlebensnotwendigkeit geworden, den Unterschied zwischen unsicheren und sicheren Codes zu verstehen, um in der beschleunigten Welt der Matrix nicht den Verstand zu verlieren.
Simon Singh hat vor zehn Jahren ein leicht verständliches Buch über die Geschichte der Kryptographie – die Wissenschaft der Verschlüsselung von Informationen – geschrieben. In seinem Streifzug durch die Geschichte von den Hieroglyphen, über Cäsar und Maria Stuart, bis zur Enigma, RSA und PGP stellt Singh in seinem weiterhin aktuellen Buch die Entwicklung der Kryptographie für Jede(n) verständlich und leicht lesbar dar. Diese Grundlagen sind wichtig zum Verständnis der modernen Verschlüsselungtechnologien, die mittlerweile auch zum Schutz der Privatsphäre notwendig geworden sind: “Mehr als hundert Millionen E-Mails jagen täglich rund um die Erde, und sie alle können abgefangen werden. Die Digitaltechnik hat der Kommunikation zwar Beine gemacht, doch liefert sie zugleich die Möglichkeit, elektronisch Mitteilungen zu überwachen” (S.255). Der Entwickler von PGP, Phil Zimmermann, wurde durch diesen Umstand motiviert, jedem Menschen die Möglichkeit zur sicheren (Tele-)Kommunikation zu verschaffen. Zimmermann vergleicht die Überwachungstechnologien der Regierungen vor der Computerisierung und dem Internet “wie wenn man mit Angel und Leine fischt, einen Fisch nach dem Anderen” (S. 253). Die Möglichkeit der weltweiten, technischen Kommunikation hat aber auch neue, totalitäre Methoden zur Überwachung geliefert: “Im Gegensatz zur Briefpost sind E-Mails unglaublich leicht abzufangen und auf interessante Stichwörter hin elektronisch zu prüfen … Man kann das mit dem Schleppnetzfischen vergleichen – ein quantitativer und qualitativer Unterschied mit Orwellschen Folgen für das Wohlergehen der Demokratie” (S. 253/4).
Nach der Lektüre des Buches von Singh ist es zwar immer noch ein längerer Weg zur sicheren Online-Kommunikation – das liegt vor allem an der Vielfalt verschiedenster Technologien und Anwendungen. Der Kern jeder Verschlüsselungstechnologie ist jedoch der CODE – die Art der Verschlüsselung. Wer die Methoden der Verschlüsselung versteht, hat es leichter im Durcheinander der Meldungen einen klaren Verstand zu behalten und trotz allem eben nicht paranoid zu werden!
Die Geschichte der Verschlüsselung von Simon Singh ist auch eine spezielle Mediengeschichte von den Pharaonen bis heute: “Leon Battista Alberti” (Architekt des Vatikans), “Athanasius Kircher” (Erfinder der Laterna Magica), “Charles Babbage” (Entwickler der Differenzmaschine), “Guglielmo Marconi” (Entwickler der Funktechnik), “Alan Turing” (Erfinder der Universalmaschine) und viele andere, bedeutende Protagonisten der Mediengeschichte haben mit ihren Entwicklungen auch die Geschichte der Verschlüsselung weiterentwickelt. So wird deutlich, dass Medien, Ver- und Entschlüsselung genauso zusammengehören wie Türen, Schlösser und Schlüssel!
CODES – DIE KUNST DER VERSCHLÜSSELUNG von Simon Singh, Hanser Verlag, 2002, ISBN 3-446-20169-6
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“So wird deutlich, dass Medien, Ver- und Entschlüsselung genauso zusammengehören wie Türen, Schlösser und Schlüssel!” (-> my quick translation: Thus it becomes obvious that media, encoding and decoding belong together as do doors, locks and keys.)
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