Der Roman “Die Abenteuer des Werner Holt – Roman einer Jugend” von Dieter Noll beschreibt die letzten beiden Jahre des Dritten Reichs: ein paar Oberschüler melden sich gemeinsam zum Flakhelferdienst und wollen Ihren Teil zum Sieg im Volkskrieg beitragen. Sie reagieren ganz verschieden auf die Realität des Krieges und der nationalsozialistischen Greueltaten. Im Buch wird diese deutsche Geschichte aus der Sicht des Jungen Werner Holt erzählt, wie er mitten im grossdeutschen Schlamassel steckt und gleichzeitig versucht, erwachsen zu werden. Dieter Noll erzählt detailliert und anschaulich, lässt seinen Holt beispielhaft erleben, was 1943 bis 1945 in Deutschland passiert ist. Die DEFA hat den Roman 1965 verfilmt.
Das Buch lässt sich leicht lesen und ist eine Fundgrube unterschiedlichster Fakten zum Untergang des Tausendjährigen Reichs. Es gibt keine Helden, aber viele Individuen, die im Netz der totalen Gesellschaft zappeln. Durch das Buch wird es leichter vorstellbar, wie ganz normale Menschen dem Nazi-Wahn zum Opfer fielen und Mittäter wurden. Es wird aber auch gezeigt, dass es immer wieder Möglichkeiten zum Aussteigen gab und letztlich jede/r eigene Entscheidungen treffen musste.
Die Fülle der Fakten im Buch überrascht im ersten Moment – der Autor hat sich die Mühe gemacht, verschiedenste Aspekte des totalen Systems zu beleuchten. Für uns Leser ist die Geschichte des Werner Holt ein Schatz, weil sie uns teilhaben lässt an einer Zeit, die prägend war für das, was wir heute Deutschland und Deutsche nennen. Dass das Buch in der DDR auf dem Lehrplan der Oberstufe stand, schadet dem Buch keinesfalls, im Gegenteil – wer beispielsweise in der BRD den Film “Die Brücke” im Unterricht vorgeführt bekam, hat vergleichsweise wenig von den Zusammenhängen um die wildgewordenen Oberschüler verstanden.
Zum Ende dieser Anregung zum Lesen sei noch eine Stelle aus dem Buch zitiert. Noll weisst darin auf die Verwendung von Methamphetamin im Kriegseinsatz hin:
“Vetter kletterte in den Bauch des Panzers hinab und machte Holts MG schußfertig. “Daß du so munter bist!” sagte Holt. – “Wir haben mit der Verpflegung solche Tabletten bekommen, die machen munter, deine hat Gilbert!” … Wolzow leuchtete mit der Taschenlampe. Er hielt Holt ein kleines Röhrchen hin. Pervitin? Mal sehn, wie´s wirkt.” aus Die Abenteuer des Werner Holt, Verlag Volk und Wissen, 1987, Seite 255
Wikipedia Seite zum Autor Dieter Noll
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