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Matrix (Filmbesprechung)

MATRIX oder das Abenteuer einen Hackerfilm zu produzieren! (Filmbesprechung von 1999)

Natürlich liebe ich Hacker- und Science-Fiction-Filme im Kino oder wo immer sie auch zu sehen und zu hören sind – coo0000llller Soundtrack ist dabei selbstverständlich, sonst langweilen mich sogar die schönsten Bilder – aber die Story entscheidet letztendlich meine Beurteilung . Letzte Woche lief in Deutschland der neueste Hit dieses Genres in den Kinos an und … ich überlege noch ….. was war das jetzt wirklich für ein Film?!!! Wie … wirklich … ist … die … wirkliche … Wirklichkeit … wirklich??? Oder, warum fängt Fischers Fritz nieee wirklich Fische???!!!!! Drei Fragezeichen und fünf Ausrufezeichen stehen hier im Manuskript. Was macht ein Sprecher (im Radiostudio) anderes als ein Actionschauspieler im Film: er dreht sich um dreihundertsechziggrad, wenn die Tonregie das drauf hat, bestenfalls sogar in echter Echtzeit und ohne dass sich die Hörer und Hörerinnen die Hälse verdrehen …

Treffen sich zwei Hacker. Sie kennen sich bereits, aber noch nicht sehr lange. Einer von beiden ist ein Mittelklasse-Einzelkind und hat weisse Hautfarbe. Der zweite verkörpert den Hacker-Underground und hat schwarze Hautfarbe. Plötzlich entdeckt der schwarze Hacker etwas: „Was, Duuu bist “Zero Cool”, der “Zero Cool”??? Ich glaube es nicht, Du hast damals eintausendfünfhundertundsechzig Rechner zum Abstürzen gebracht!“ Der weisse Junge antwortet: „Es waren eintausendfünfhundertundfünfundsechzig Rechner!“ Und der schwarze Hacker gesteht: „Mensch, ich dachte immer Du wärst ebenso ein Schwarzer!!!“

Diese Szene aus dem New Yorker Hackerfilm mit dem schlichten Titel “HACKERS” taucht im Film “Matrix” wieder, aber ein kleines bisschen anders auf: In einer Bar tritt eine Frau auf Neo zu, den Helden des Films, gespielt von Keanu Reeves, und sie spricht ihn an: „Hallo, ich bin Trinity.“ Neo weiss für einen Moment nicht was er von ihr halten soll, dann geeeeehhhht ihm ein Licht auf: „Dann hast Du doch den Megaabsturz in der Cybermatrix verursacht!“ Sie will darüber hinwegspielen und winkt ab: „Darum geht es jetzt nicht, ich muss Dich warnen.“ Neo jedoch ist noch immer weggerissen von der Vorstellung, plötzlich TRINITY gegenüberzustehen: „Ich, ich dachte immer, Duuu seist ein Tyyyp!“

Im Film “Matrix” geht’s drunter und drüber und schwer durcheinander – der Soundtrack ist von so bis so, stellenweise ist da gar nichts, dann wieder volle Kanne. Wilde Actionszenen und heisse Computergrafiken wechseln sich ab mit oberflächlich komplexen Diskussionen über die Aussenansichten der Innenansichten virtueller Welten in realen Zusammenhängen … Am Ende bleibt die Aufforderung sich zu befreien und der Eindruck, viele Filme schon wieder gesehen zu haben: Hackers, Blade Runner, Terminator, Jonny Mnemonic, Der Rasenmähermann, natürlich Alien und mehr. Der Film ist gute Kinounterhaltung, aber leichter mit leerem Magen geniessbar – was aber nicht am intellektuellen Tiefgang, sondern den Animationseffekten liegt.

Als 1999 in Hamburg das erste, deutsche, kommerzielle Internetradio “Cyberradio” ins Netz ging, produzierte ich zusammen mit vier befreundeten Kollegen die Pilotsendung für ein Online-TV-Magazin “Bits’n'Beats“. Leider ging die Firma schneller bankrott, als wir produzieren konnten … aus dieser Pilotsendung stammt die vorhergehende Filmbesprechung über den Science-Fiction-Film “Matrix”. Der war ein paar Wochen vor unserer Pilotsendung in den Kinos aufgetaucht und wurde viel diskutiert. Ich war zuerst enttäuscht, hatte etwas erwartet, was ich noch nicht kannte. Langfristig jedoch hat Matrix erneut gezeigt, dass sich Filme hervorragend für die massenhafte Vermittlung von neuem Grundlagenwissen eignen – auch wenn schliesslich nur noch die Schlagwörter übrigbleiben.

Ich würde wetten, dass vor allem eine Szene aus diesem Kassenschlager eine grosse Chance hat, in Geschichtslehrbüchern zu landen: Neo ist neu in der Matrix und kann sich diese sogenannte Matrix nicht wirklich vorstellen. Alles nur eine Vorstellungssache? Morpheus zeigt mit Hilfe der Trickfilmtechniker des Wachowskiteams allen Zuschauern, woraus die Matrix besteht und was dran ist an der virtuellen Wirklichkeit, ein kurzes Lehrvideo mitten im Actionthriller – sozusagen Schulunterricht nebenbei. Und das scheint tatsächlich wirkungsvoller, als das jahrelange verfassen von Artikeln zum Zwecke der Erläuterung von wirklichen und virtuellen Wirklichkeiten (jedenfalls die Einnahmen betreffend!). Andererseits zweifle ich den Erfolg dieser cineastischen Medienalphabetisierung stark an, nichts deutet daraufhin, dass sich durch diesen Kinohit irgendetwas verändert hätte, weder virtuell noch reell (ausser in den Kassen der Produzenten natürlich).

In diesem Sinne bleibt mein Fazit von 1999, Unterhaltung ohne Tiefgang, bestehen. Aber wir können bereits heute und immer öfter die Metapher “Matrix” benützen, dabei auf den Film “Matrix” verweisen, von seiner grossen Verbreitung ausgehen und dies als Entrée für eine ausgiebige Diskussion über die Menschen im Informationszeitalter nützen. Um darauf aufbauend, im Hauptgang des virtuellen Menüs sozusagen, zusätzliche Literatur (Neal Stephenson “Snow Crash”!) und eigene Erfahrungen vorzubringen. Damit wir spätestens beim Desert völlig auf Neue Technologien verzichten und endlich den Blick auf das wahre Leben richten können: welche Telefonnummer hat eigentlich Trinity?

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